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Newsletter Startups und Wachstumsfinanzierung Issue 3|2020
Chancen und Risiken einer Milestone-Finanzierung

13.08.2020
Im Zuge von Finanzierungsrunden streben Startups in der Regel danach, das gesamte Investment sofort zu bekommen. Demgegenüber sichert sich der Venture-Capital-Investor gern (soweit bei einer solchen Art von Investments überhaupt möglich) gegen Risiken ab. Eine solche Möglichkeit ist, dass das Investment nicht auf einmal zu leisten ist, sondern in Teilbereichen je nach Fortschritt des Unternehmens. Hierzu werden zwischen Unternehmen und Investor sogenannte Milestones vereinbart. Dabei handelt es sich um Vertragsbedingungen, von deren Erreichen weitere Finanzierungen bzw Finanzierungsrunden abhängig gemacht werden. Sie konkretisieren die einzelnen Entwicklungsschritte des Unternehmens und können dabei entweder finanzwirtschaftlich bzw marktgerichtet sein, indem zB ein gewisser Umsatz in einer bestimmten Zeit erzielt werden muss oder sie können sich auf technische Aspekte konzentrieren zB die Fertigstellung eines gewissen Produkts.

Bei der Milestone-Finanzierung wird also vom Investment immer nur so viel an das Startup gezahlt, wie es zum Erreichen des nächsten Milestone bzw der nächsten Entwicklungsphase benötigt. Ein Ungleichgewicht entsteht hier dadurch, dass der Investor dennoch idR schon zu Beginn seine volle Beteiligungsquote erhält, das Investment aber – wie soeben beschrieben – nicht in voller Höhe sofort leistet. Das birgt für das Startup zunächst das Risiko, dass der Investor später nicht zahlt oder nicht zahlen kann (Ausfallsrisiko). Zentrale Gefahr ist aber das Verpassen von Milestones. Diesfalls muss der Investor nicht nur nicht mehr leisten, sondern das Unternehmen trägt oft auch einen Imageschaden davon. Milestone-Finanzierungen reizen das Unternehmen also darauf hin an, die Milestones zu erreichen, wodurch Flexibilität verloren geht und andere für die Fortentwicklung wichtige Aspekte des Unternehmens oft vollkommen vernachlässigt werden.

Und nicht zuletzt sind Milestones auch potenzielle Streitquellen. Wählt man diesen Weg ist es jedenfalls unabdingbar, die Milestones so präzise, widerspruchsfrei und objektiv genau bestimmbar in einem Vertrag festzuhalten wie irgend möglich. Kommt es dennoch zu zwischen den Parteien unlösbaren Differenzen, sollte eine unabhängige Instanz im Vertrag bestimmt sein, welche über Eintritt oder Nichteintritt des Milestone entscheidet. Infrage kommen Wirtschaftsprüfer oder sonstige Sachverständige oder in bestimmten Konstellationen auch der Aufsichtsrat.

Bei all den oben genannten Problemen und Bedenken der Milestone-Finanzierung, wurde doch in der Praxis festgestellt, dass Unternehmen eine erhöhte Disziplin bei der Unternehmensführung an den Tag legen, um die Milestones möglichst effektiv zu erreichen. Dies kommt letztlich auch dem Startup selbst und dessen Gründern zugute. Und der Investor profitiert natürlich, weil ihm sein Kapital länger zur Verfügung steht und er seinen ausgehenden Cashflow besser staffeln kann. Zudem bietet die Milestone-Finanzierung für den Investor die Chance eine nachträgliche Bewertungskorrektur vorzunehmen und somit für seinen bereits erhaltenen Geschäftsanteil weniger zu zahlen, als ursprünglich vereinbart war.

Mag. Valentina Treichl, BA